Eines Nachts im Mai wurde ich von Geräuschen geweckt, die von meinem Nachbarn kamen. Es war nicht ungewöhnlich für die Gegend. Aber vor allem eine Nachbarin, eine Frau, war wieder einmal betrunken, wie sie es an Feiertagen, Wochenenden, Sonnenwenden, wenn es heiß ist, wenn es kalt ist und – wie bei dieser Gelegenheit – um 1 Uhr morgens am Montagmorgen, bevor ich einen neuen Freelancer-Job beginnen sollte.

Also klopfte ich an ihre Tür mit der Absicht, sie zu bitten, die Musik so höflich wie möglich zu leiser zu stellen, wie man es von einer schwarzen Frau aus Chicago erwarten kann, die eine Nachtmütze, Aknecreme und ein überdimensionales Betthemd trägt, auf dem „FOODIE“ steht. Aber sie ging nicht an die Tür. Stattdessen tauchte ein verwitterter älterer Mann auf. Wie ich später erfuhr, war das mein Nachbar im Erdgeschoss – derjenige, der Death Metal so laut spielte, dass er die Laminatplatten in meiner Wohnung zwei Stockwerke über seinen schüttelte. Dieser Mann fragte mich, was ich will. Ich erkundigte mich nach meinem Nachbarn, auf den er in schroffem Deutsch antwortete, dass mein Nachbar mich nichts angeht. Ich sagte, dass es in diesem Fall meine Angelegenheit sei und fragte erneut nach ihr.

Schwarze im Nazi-Deutschland

Die Nürnberger Gesetze von 1935 entzogen den Juden die deutsche Staatsbürgerschaft und verboten ihnen, mit „Menschen deutschen Blutes“ zu heiraten oder sexuelle Beziehungen zu unterhalten.

Ein späteres Urteil bestätigte, dass schwarze Menschen (wie „Zigeuner“) als „von fremdem Blut“ zu betrachten sind und den Nürnberger Prinzipien unterliegen. Nur sehr wenige Menschen afrikanischer Abstammung hatten die deutsche Staatsbürgerschaft, auch wenn sie in Deutschland geboren wurden, aber das wurde unumkehrbar, als sie einen Pass erhielten, der sie als „staatenlose Neger“ bezeichnete.

1941 wurden schwarze Kinder offiziell von öffentlichen Schulen ausgeschlossen, aber die meisten von ihnen waren viel früher in ihren Klassenzimmern rassistisch missbraucht worden. Einige wurden von der Schule verwiesen, und niemand durfte eine Universitäts- oder Berufsausbildung absolvieren. Veröffentlichte Interviews und Memoiren von Männern und Frauen, unveröffentlichte Zeugenaussagen und Nachkriegsvergütungsansprüche zeugen von diesen und anderen gemeinsamen Erfahrungen.

Tiefere Analyse

Indem Clarence Lusane die analytische Kategorie „Rasse“ in den Mittelpunkt seiner Untersuchung von Hitlers schwarzen Opfern stellt, positioniert er sein Buch in einen wichtigen neuen Bereich der Germanistik. Seit dem Kreativkurs 1984 an der Freien Universität Berlin unter der Leitung der afroamerikanischen Dichterin Audre Lorde, die unter ihren Studenten eine Reihe von muttersprachlichen, deutschsprachigen Farbfrauen entdeckte und fragte: „Wer bist du“, „Afrodeutsche“ (oder „Afrodeutsche“, ein Begriff, der im Zusammenhang mit dem Kurs von Lorde geprägt wurde), haben die Initiative ergriffen, sich als eine politisch und kulturell bedeutsame Gruppe in Deutschland zu definieren.

Sie waren auch Gegenstand einer wachsenden Zahl von wissenschaftlichen Studien, die sich mit den vergangenen und gegenwärtigen Erfahrungen der schwarzen Bevölkerung in Deutschland beschäftigten. Sicherlich war der erste Auslöser für die deutsch-afrikanische Bewegung der Frauenverlag von 1986, der unmittelbar aus Lordes Seminar Farbe bekennen entstand: Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte (veröffentlicht 1992 in englischer Übersetzung als Showing Our Colors: Afrodutsche Frauen sprechen sich aus).

Von den 1980er Jahren bis heute haben Afrodeutsche (die sich manchmal auch „Schwarzdeutsche“ nennen) neue Selbsthilfeorganisationen und andere Foren gegründet, darunter die Initiative Schwarze Deutsche (später in Anerkennung der neuen Migration aus Afrika umbenannt in Initiative Schwarze in Deutschland) oder ISD; ADEFRA, ein Zusammenschluss schwarzer Frauen, die (inzwischen nicht mehr existierende) Zeitschrift Afro-Look, Black History Month Feiern in ganz Deutschland, ein jährliches Bundestreffen und kleinere regionale Treffen sowie in jüngster Zeit CyberNomads, das Black Media Network und mehrere Black Media Kongresse in Berlin.

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